Holztraubach ist ein Dorf, das seinen bäuerlichen Charakter erst zu verlieren begonnen hat. Jungsteinzeitliche Funde und Grabhügelgruppen aus der Hallstadtzeit (750 bis 450 v. Chr.) bezeugen, dass es auf uraltem Siedlungsboden steht. Auf die Zeit zwischen 765 und 791 ist die erste urkundliche Erwähnung eines (bajuwarischen) Siedlungsgebietes am Traubach („Druchpah“) zu datieren. Der althochdeutsche Name bezieht sich auf eine Wildfalle an einem Bach. Anlass der Erstnennung war ein Tauschgeschäft, bei dem das Siedlungsgebiet an das Domkloster St. Emmeram kam, das es 875 / 885 wieder an den Adeligen Amalpert vertauschte.

 

Im Rahmen des hochmittelalterlichen Landesausbaus kam es zu einer Intensivierung der Siedlungstätigkeit am Traubach. Es entstanden

die beiden Siedlungskerne Grafen- und Holztraubach, die beide erstmals 1326 im ältesten Regensburger Pfarreienverzeichnis erwähnt werden. Es ist davon auszugehen, dass das Holztraubacher Gebiet das ältere Siedlungsgebiet ist. Darauf weist hin, dass der Patron der dortigen Kirche (Laurentius) prominenter ist als derjenige der Grafentraubacher (Pankratius). Außerdem zeigt Grafentraubach ein planvolles Siedlungsbild, wie es für die hochmittelalterliche Ausbauphase charakteristisch ist, während Holztraubach dem frühmittelalterlichen Siedlungstyp des Haufendorfes entspricht.

 

Eine Kirche, und damit eine Seelsorgestation, bestand im Siedlungsgebiet am Traubach bereits bei dessen Erstnennung am Ende des 8. Jahrhunderts. Das prominente Laurentiuspatrozinium spricht dafür, darin die Vorgängerin der Holztraubacher Kirche zu sehen. Eine Pfarrei in Holztraubach wird dann erstmals bereits im ältesten Regensburger Pfarreienverzeichnis von 1326 aufgeführt. Als erster namentlich bekannter Pfarrer erscheint 1343 ein Hermann anlässlich eines Grundstücksgeschäfts.

 

Das Geschlecht der Traubecken erscheint erstmals in der Mitte des 12. Jahrhunderts. Sie waren Dienstmannen der hochadeligen Kirchberger. Holztraubach, das bisweilen auch Obertraubach genannt wurde, bildete seit dem späten Mittelalter eine Hofmark (d.h. einen Niedergerichtsbezirk) der Traubecken, die ihren Hauptsitz dort nahmen, nachdem sie Grafentraubach verkauft hatten. 1446 erwarben die Pünzinger die Hofmark auf dem Erbweg. Sie waren mit den wittelsbachischen Herzögen verwandt, da sie einer unehelichen Verbindung eines solchen entsprangen. Unter ihrer Herrschaft erlebte das Dorf eine Blütezeit, wie sich an den zahlreichen erhaltenen kirchlichen Kunstwerken aus der Zeit der Spätgotik ersehen lässt. Denn die Pünzinger standen als Beamte in den Diensten der bayerischen Herzöge und investierten das verdiente Geld in ihre Hofmark.

 

Die Blütezeit Holztraubachs endete, als die Erbin Regina Pünzinger in die Zisterzienserinnenabtei Seligenthal bei Landshut eintrat und die Hofmark 1543 unter die Herrschaft dieses Klosters brachte. Unter den reichen Besitzungen Seligenthals zwischen Ammersee und Böhmerwald führte das Dorf nur ein Schattendasein. Dies zeigte sich vor allem daran, dass die Kirche bereits eine Generation nach dem Übergang an Seligenthal total verwahrlost war, wie aus dem diözesanen Visitationsprotokoll von 1589/1590 hervorgeht. Verantwortlich dafür war neben der

Pünzinger Grabstein in der Holztraubacher Kirche

Vernachlässigung durch das ferne Kloster die religiöse Verunsicherung als Folge der Glaubensspaltung und die Klimaverschlechterung in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, als deren Folge auch der Weinbau um Holztraubach aufgegeben wurde. 1726 wurde Holztraubach von der Äbtissin bloß als „schlechts Pfarrl“ bezeichnet.

 

Verwaltungsmäßig war Holztraubach seit dem Mittelalter Teil des Landgerichts Kirchberg, seit 1804 des Landgerichts (ab 1862 Bezirksamt, ab 1938 Landkreis) Pfaffenberg (ab 1838 Mallersdorf). 1971 wurde die 1808 errichtete Gemeinde Holztraubach in die Großgemeinde Mallersdorf-Pfaffenberg eingegliedert. Derzeit wird das Dorf, das 154 Einwohner zählt (Stand 11. Juni 2015), dort von Zweitem Bürgermeister Dr. Johann Kirchinger vertreten.

 

 

 

 

Literatur zur Dorfgeschichte

 

Johann Kirchinger, Die Kirchen von Pfaffenberg und Holztraubach (Kleine Kunstführer 2801), Regensburg 2012.

 

Joseph Schnirle, Geschichtliches über Neufahrn in N. mit Neuburg, über Holztraubach und Oberhaselbach, Kgl. Bezirksamts Mallersdorf, Niederbayern (Sonderdruck aus dem Sulzbacher Kalender für kathol. Christen 1914), Sulzbach in der Oberpfalz 1914.

 

Michael Wellenhofer, Die Ortsgeschichte von Holztraubach, in: 60 Jahre Waldrose-Schützen Holztraubach. Gründungsfest mit Fahnenweihe vom 29. Juni bis 2. Juli 1984, Mallersdorf-Pfaffenberg 1984, 50–81.

 

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